Wir brauchen Gleichheit, keine Gleichmacherei

Wie viel Unterschied darf es sein?

Ob das aktuell diskutierte Lohngleichheitsgesetz oder das bereits bestehende Gleichbehandlungsgesetz: In der Arbeitswelt ist Gleichheit Trumpf. Kritiker monieren jedoch eine „Diversity-Correctness“.

Wir brauchen Gleichheit, keine Gleichmacherei

  • Das Lohngleichheitsgesetz zeigt: „Diversity-Correctness“ ist allgegenwärtig
  • Übertriebene Sorge um Korrektheit kann sich jedoch ins Gegenteil umkehren
  • Wenn Unterschiede nicht offen diskutiert werden, schürt es die Vorbehalte

„Diversity-Correctness-Watching“ schießt in Deutschland ins Kraut. Gemeint ist damit die überzogene Sorge um Gleichheit. Man könnte auch sagen, Staunen über Andersartigkeit ist mittlerweile fast verboten, der Ruf nach Gleichheit dagegen fast Pflicht! Die Folgen überzogener Diversity-Correctness sind klar: Die Gesellschaft erzieht ihre Bürger zu Duckmäusern und Fassadenpredigern.

Natürlich haben „Diversity-Correctness“ und „Political Correctness“ auch Vorteile. Wenn man „den richtigen Ton“ trifft, wenn man keine Vorurteile und Stereotypen pflegt, wenn man Meinungen anderer zulässt, dann ist das korrekt. Diversity-Correctness stellt unser Tun unter die Forderung des reziproken Imperativs „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ Allerdings scheinen die Bürger diesen Imperativ immer schlechter zu beherrschen. Anders ist die wachsende Zahl von Diverisity-Correctness-Agenturen nicht zu erklären.

Wenn Bund und Länder Antidiskriminierungsstellen einrichten, dann liegt die Unterstellung nahe, dass wir Nachhilfe in Sachen Antidiskriminierung brauchen. Mangelnde Alltagsvernunft und unzureichende soziale Selbstregulierungskompetenz werden unterstellt. Die Folgen dieses gut gemeinten „Diversity-Correctness-Nudging“ liegen auf der Hand. Wenn das staatliche Diversity-Watching ins Kraut schießt, dann nehmen sich die Bürger zurück. Sie reduzieren Eigeninitiative, der subsidiäre Gestaltungswille erlahmt. Die Streitkultur, Kernelement der Demokratie, wird ausgehöhlt, Vorurteile und Fake schießen mehr denn je ins Kraut, „Nichts-Sagende“ Parteien bekommen Zulauf! Diversity-Correctness verkehrt sich ins Gegenteil.

Selbst auferlegte Sprachverbote sind fatal

Hilfestellung und auch Vorgaben für ein diskriminierungsfreies Miteinander sind in einer entgrenzten, pluralen und daher vielfach (über-)fordernden Welt sicherlich angebracht. Wie bei allen gut gemeinten Hilfen gilt aber auch für das Diversity-Correctness-Watching, den Bogen nicht zu überspannen. Die Sorge um korrektes Sprechen und Handeln darf nicht dazu führen, dass sich die Menschen Sprachverbote auferlegen, dass sie dort schweigen, wo sie sich einmischen sollten. Es wäre fatal, wenn wir die Demokratie aushöhlen und zu einer Fassaden- und Phrasengesellschaft abwirtschaften würden. Es darf nicht dazu kommen, dass die Menschen nicht mehr sagen, was sie denken, dass sie denken, was sie nicht sagen, und tun, was sie nicht wollen. Kommt es zu dieser Schweigespirale falsch verstandener Korrektheit, dann wächst die implizite, die verdeckte Diskriminierung. Wem ist mit dieser Maulkorbgesellschaft gedient?

Unterschiede sind zu respektieren, dürfen nicht zu positiver oder negativer Diskriminierung führen. Konflikte müssen ausgetragen werden, Meinungen sind zu erörtern, Lösungswege sind gemeinsam zu suchen. Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob eine Führungskraft eine Person gerade wegen ihrer Hautfarbe nicht oder gerade wegen der Hautfarbe in besonderer Weise tadelt oder lobt. Wird Diverstity-Watching in der Gesellschaft übertrieben, dann werden die Führungskräfte Lob und Tadel gänzlich unterlassen, weil sie nicht in die Bredouille unkorrekten Verhaltens geraten möchten. Die Bürger ziehen sich vor ihren Fernseher zurück und bleiben auch bei Wahlen zu Hause.

Eine Maulkorbgesellschaft untergräbt die Demokratie

Wir dürfen uns nicht im Werfen von Nebelkerzen überbieten. Wer feige führt, wer Wähler im Unklaren lässt, hat kein gutes Image. Wer schweigt, wo er sich einmischen müsste, fühlt sich nicht wohl. Wir werden die Folgen des überzogenen Diversity-Watching – so ist zu befürchten – bei den Wahlen in diesem Jahr in Deutschland und in Europa zu spüren bekommen. Die Wahlprogramme sind geschrieben, die Kandidaten sind aufgestellt. Es graut einem vor dem Nonsens der Wahlkampfreden.

Übertriebene Diversity-Correctness erzieht zur Maulkorbgesellschaft. Aus der Angst heraus, nicht korrekt zu reden oder zu handeln, aus Furcht, als „sexistisch“, „rassistisch“ oder als „homophob“ angesehen zu werden, schweigen die Menschen. Wenn Unterschiede nicht diskutiert und dann auch nicht verstanden werden, brodelt es im Untergrund, Abneigung gegen das Unverstandene wächst. Wir müssen dringend fragen, ob wir mit der überzogenen Diversity-Correctness den Bogen nicht überspannen! Lasst die Kirche im Dorf!

Quelle: www.xing.com

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