Warum wir eine Altersgrenze brauchen

Börsennotierte Unternehmen müssen sich immer wieder neu erfinden. Dazu braucht es Anpassungsfähigkeit – und auch eine neue Führung, denn technische Innovationen sind die Aufgabe der „jungen Wilden“.

Ohne Altersgrenze würden sie weitermachen bis ins Greisenalter – wie der Papst, Popstars und sich unersetzbar fühlende Familienunternehmer. Denn sie haben Energie, Erfahrung und Netzwerke. Die Jungen dürften zuschauen und warten. „75 ist das neue 55“ würde es dann im Jahr 2030 heißen, damit die Babyboomer weiter im Vorstand bleiben dürften. Und dann?

Wenn es gut liefe, dann würden ältere Topmanager aus Weisheit Jüngere aufbauen. In einigen Autobiografien von sehr erfolgreichen Familienunternehmern finden sich rührende Geschichten, wie sich diese Weisheit unter großen Schmerzen entwickelte. So schreibt der langjährige Trumpf-Chef, Berthold Leibinger, in seiner Autobiografie: „In diesem Jahr wurde ich 75 Jahre alt. Die Nachfolge musste geregelt werden. Dies war ich dem Unternehmen schuldig.[…] Für mich war es nicht einfach, den ‚Ruhestand‘ anzunehmen. […] Ich fühlte mich der Aufgabe noch immer gewachsen.“ Nachfolgerin wurde schließlich seine Tochter. Aber es gibt wahrscheinlich deutlich mehr, im Zweifel unveröffentlichte Geschichten, in denen die Sturheit des erfolgreichen Kapitäns zur Kollision mit dem Eisberg führte.

Die Nachfolge muss geregelt sein

Börsennotierte Unternehmen tun gut daran, eine Altersgrenze vorzugeben. Der langjährige Chef von General Electric, Jack Welch, beschreibt in seiner Autobiografie, was passiert, wenn einem seit Jahrzehnten erfolgreichen Topmanager das Ende der eigenen Karriere mit 65 Jahren von außen vorgegeben wird: Er musste sich um seine Nachfolge kümmern – sieben Jahre vor dem erwarteten Ausscheiden. Sein Nachfolger Jeffrey Immelt ist seit 15 Jahren Chef und jetzt 60 Jahre alt. Er wird sich bereits um seine Nachfolge kümmern. So muss es im Sinne des Unternehmens laufen.

Jahrzehntelang erfolgreiche Topmanager haben ihre Unternehmen mehrfach neu erfunden. So lief zum Beispiel beim „Hidden Champion“ Trumpf die Entwicklung von der Kopier-Nibbelmaschine über den Schweißkantenformer bis hin zur Lasertechnik. Unter seiner Nachfolgerin, Nicola Leibinger-Kammüller, ist das Unternehmen wegweisend in der Industrie 4.0, dem „Internet der Dinge“, unterwegs.

Es muss nicht immer Vorstand sein

In Zeiten der digitalen Revolution mit einem immer schnelleren Wandel und disruptiven Innovationen ist diese Anpassungsfähigkeit von 60-plus-Managern kaum zu erwarten. Denn technische Innovationen sind das Werk von jungen Wilden. Zumindest waren Bill Gates, Steve Jobs und Marc Zuckerberg Studienabbrecher und nicht Best Ager, als sie ihre Unternehmen gründeten.

Topmanager 60 plus haben andere Aufgaben. Sie sollten als Mentoren und Business Angels ihre Erfahrungen und Netzwerke einbringen. Das Silicon Valley bietet Anschauungsunterricht: Die „Geeks“ sind junge Programmierer, die Venture Capitalists dürfen auch schon mal über 60 sein: Ron Conway, Jahrgang 1951, Gründer und Chef der SV Angels ist ein Musterbeispiel.

Quelle: www.xing.com

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