Recruiting während Corona: Warum Ihnen eine Vollbremsung schadet

 

Im Wettbewerb um Talente ganz vorn

Niemand weiß genau, wann und ob wir wieder so arbeiten, wie wir es gewohnt waren. Einige Branchen werden länger brauchen als andere , um sich nach der Krise wieder aufzurappeln. Doch irgendwann ist die Coronavirus-Krise vorbei und dann geht der Wettbewerb um die besten Talente wieder los – wahrscheinlich noch erbitterter als zuvor. Mit Positionen, die vor der Pandemie schwer zu besetzen waren, werden sich Recruiter ebenso schwer tun wie vor der Krise.

Noch im Januar 2020 hatte der weltweite Talentmangel laut einer Manpower-Studie, einen Rekordstand erreicht. 54 Prozent der Unternehmen klagten darüber, nicht genügend qualifizierte Bewerber für ihre offenen Stellen zu finden. Im Jahr 2019 meldeten Länder wie Großbritannien, die USA und Deutschland die niedrigsten Arbeitslosenquoten seit Jahrzehnten und warnten eindringlich vor den Auswirkungen des Arbeitskräftemangels in wichtigen Qualifikationsbereichen.

Auch wenn das Coronavirus die Wirtschaft heute hart trifft, ist es unwahrscheinlich, dass sich der Talentmangel einfach in Luft auflöst. Für Sie bietet sich momentan also eine große Chance: Denn wenn Sie während der Coronavirus-Krise weiterhin Arbeitskräfte einstellen, haben Sie einen enormen Vorteil gegenüber Unternehmen, die die Einstellung von Mitarbeitern gestoppt haben. Sie können nämlich den Vorsprung nutzen, bis Ihre Wettbewerber sich wieder in ihre Recruiting-Aktivitäten stürzen, um schon einmal in aller Ruhe Kandidaten für üblicherweise schwer zu besetzende Positionen anzusprechen.

Martina Ruiß, Head of HR bei Personio, sieht im Einstellungs-Freeze eine weitere Gefahr: Denn Unternehmen riskieren so, unterbesetzt zu sein, wenn die Krise vorbei ist und das Team sich voll und ganz darauf konzentrieren muss, das Geschäft wieder anzukurbeln.

Profitieren Sie von verfügbaren Talenten

Entlassungen und angeschlagene Unternehmen sind nur zwei der traurigen Folgen dieser Pandemie. Doch für HR-und-Recruiting-Abteilungen gibt es Hoffnung: Viele qualifizierte Arbeitnehmer werden in den kommenden Monaten nach Jobs suchen. „Momentan ist ein idealer Zeitpunkt, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, rät Martina Ruiß. Selbst Fachleute in Anstellung könnten nach der Krise ihre Karriereinteressen überdenken: Vielleicht sind sie auf den Geschmack von flexiblen Arbeitszeiten gekommen oder sind bereit, in Branchen zu wechseln, die in Zeiten des finanziellen Abschwungs stabiler sind? In jedem Fall wird auf dem Bewerbermarkt einiges los sein – nutzen Sie also ihren Vorsprung.

Recruiting während Corona: Die besten Tipps

Dass Sie im Moment vielleicht nicht in der Lage sind, ihr Recruiting mit voller Kraft voranzutreiben, ist klar. Schließlich wissen viele Unternehmen nicht, wie es nach der Krise um ihre Finanzen bestellt sein wird und wie viel sie für Ihr Einstellungsbudget erübrigen können.

1. Füttern Sie Ihre Pipeline

Doch weil die Einstellung von Mitarbeitern ein langfristiger Prozess ist, der sich über Monate erstrecken kann, können Sie schon heute Ihre Talent-Pipeline aufbauen, empfiehlt Ruiß. „Sie können schon jetzt mit Menschen in Kontakt treten, vielleicht Vorstellungsgespräche führen und sie bei der Stange halten. Auf diese Weise haben Sie geeignete Kandidaten parat, die in Ihr Unternehmen wechseln würden, sobald Sie in der Lage sind, ein Angebot zu machen.”

2. Priorisieren Sie Positionen

Nutzen Sie die Zeit, um strategische Positionen zu priorisieren. Welche Stellen sind regelmäßig schwer zu besetzen? Welche sind geschäftsrelevant sind? Auch, wenn Sie gerade weniger aktiv rekrutieren, können Sie so Ihren Fokus auf die wichtigen Positionen legen.

3. Betreiben Sie Employer Branding

Halten Sie darüber hinaus Ihre Employer-Branding-Aktivitäten aufrecht und bleiben Sie mit interessierten Kandidaten in Kontakt. Auf diese Weise sind Sie den Unternehmen, die das Recruiting während der Pandemie eingestellt haben, einen Schritt voraus. Und stellen sicher, dass Ihr Unternehmen Zugang zu den qualifiziertesten Talenten hat.

Von Menschen und Daten

KI-Anwendungen werden in den kommenden Jahren verstärkt auch in Bezug auf Mitarbeiterdaten zum Einsatz kommen: In Zukunft werden gewissermaßen die Daten die Menschen finden – und nicht umgekehrt. Dies betrifft auch verschiedene Aspekte rund um die Bereiche Personalarbeit und Arbeitsplatzgestaltung. Für die Mitarbeiter bedeutet das beispielsweise vereinfachte Prozesse beim Erlernen, Entwickeln und Ausführen von Aufgaben – vom Onboarding und IT-Service-Ticketing über die Leistungsauswahl bis hin zu Anfragen von Drittanbietern. Für Personalabteilungen bedeutet der Einsatz von KI etwa, dass sie dank der auf Machine Learning basierenden Empfehlungen erfolgreicher darin sein können, einerseits Talente zu halten und gleichzeitig bestehende Mitarbeiter für neue Rollen und Projekte zu gewinnen.

KI beruht auf der Analyse von Daten – und Daten sind in der heutigen Zeit eine wertvolle Währung, die durch entsprechende gesetzliche Bestimmungen besser geschützt ist, als je zuvor.
Die Umsetzung der DSGVO wird ein Schlüsselthema in 2019 (bleiben). Bis August 2018 war etwa ein Drittel der Unternehmen noch nicht mit der DSGVO konform. Zweifellos wird in diesem Jahr die Einhaltung der DSGVO für Unternehmen eine höhere Priorität haben. Denn es wird für sie immer wichtiger, festzustellen, welche Organisationen bereits dafür aufgestellt sind, ihre Daten zu verarbeiten und zu schützen. Darüber hinaus könnte die DSGVO einen globalen Trend im Bereich des Datenschutzes auslösen, der die Unternehmen dafür zur Verantwortung ziehen wird, wie sie mit personenbezogenen Daten umgehen.

© Personio Martina Ruiß

 

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