Probezeit ist die größte Hürde

Höchste Fluktuation in den ersten sechs Monaten / Personalberatung bietet Bewerbern und Chefs Hilfe

Die verflixten ersten sechs Monate - laut Statistik ist die Personal-Fluktuation in keiner anderen Phase des Berufslebens so hoch wie innerhalb dieser Probezeit. Die Anforderungen scheinen zu hoch, die Kommunikation mit dem Chef klappt irgendwie nicht und dieser hat sich wiederum von seinem frisch eingestellten Mitarbeiter mehr versprochen. Meist würde darauf die Trennung folgen.

Und genau an diesem Problem will der Bremer Personalberater Mark Grundmann mit seinem Firmenkonzept ansetzen: „Diese Quote kann man im Interesse von Arbeitnehmer und Unternehmen reduzieren“, so der 41jährige Diplom-Kaufmann. Deswegen bietet er Firmen in dieser Form noch einzigartige Dienstleistungen an, mit denen die Einarbeitungsphase des neuen Mitarbeiters entscheidend verbessert werden soll. Von der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch bis zum letzten Tag der Probezeit kann der Arbeitnehmer betreut und unterstützt werden. Im Auftrag eines Unternehmens castet die Personalberatung mögliche Bewerber per Auswahlverfahren, potentielle Kandidaten werden dann im Bewerbungstraining auf den Vorstellungstermin vorbereitet. „Unsere Aufgabe besteht darin, Unternehmen und Arbeitnehmer zusammenzuführen“, erklärt Grundmann. Dabei ist es wichtig, den Bewerber schon vorher auf die Anforderungen vorzubereiten: Was ist wichtig bei einem Bewerbungstermin, wie bereite ich mich vor und wo kann ich mich vorab über das Unternehmen informieren?
Nach einer erfolgreichen Zusammenführung bietet Grundmann weitere Betreuung und Tipps an: „wir als externe Berater können von außen auf Dinge hinweisen, die Arbeitgeber nicht sehen“, so Grundmann. Bisher bietet er seine Dienstleistung nur für erwachsene Arbeitnehmer an: „Denkbar ist das aber auch in der Nachwuchsförderung.“
    

Denn dort sieht der Personalvermittler die größten Probleme: In Bremen haben in diesem Jahr allein 200 Auszubildende ihren Vertrag innerhalb der ersten sechs Monate gelöst. „Der psychische Druck ist enorm und ein 16-Jähriger traut sich meist auch noch nicht, Dinge, die ihn stören, auszusprechen.“ Der Betreuungsbedarf fängt für den Diplom-Kaufmann schon am ersten Tag der Ausbildung an: Wird das neue Gesicht den Kollegen auch offiziell vorgestellt, und wo bekommt er seinen festen Platz - diese Dinge seien für ein zufrieden stellendes Arbeiten sehr wichtig. Darüber hinaus schult er die Azubis auf Wunsch des Chefs in Seminaren in Sprachen, Rhetorik oder Präsentationstechniken. „Diese Betreuung sollte aber nicht den zuständigen Ausbildungsleiter abqualifizieren“, betont Grundmann. „Kooperation ist wichtig.“ Seine Vision ist, dass Einstellungen und Schulungen eines Tages nur noch über externe Partner abgewickelt werden - in Zusammenarbeit mit den Personalabteilungen: Externe Berater beobachten ständig den Markt und sich absolut neutral.“



Ob in Fremdsprachen, Präsentationstechniken oder bei der Rhetorik - auf Wunsch des Unternehmens können die Mitarbeiter in speziellen Seminaren geschult werden

Weserkurier vom 13.11.04

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