Nicht ich finde den Job, der Job findet mich

Umgedrehte Arbeitswelt – «Nicht ich finde den Job, der Job findet mich»

Die Medienberichte zu unserer Arbeitswelt scheinen paradox – sie äussern sich zum Fachkräftemangel und gleichzeitig zur Problematik von stellensuchenden 50+ Kandidaten. Da gibt es Meldungen zur späteren Pensionierung, um die Altersvorsorge zu entlasten, derweil über die Zunahme von Burnouts berichtet wird, weil die Arbeitsbelastung zu hoch ist. Unternehmen werden aufgefordert, mehr ältere Kandidaten bei den Bewerbungen zu berücksichtigen, gleichzeitig werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über 50 Jahre alt sind, zuerst entlassen.

Wenn wir die Thematik «Jobsuche 50+» einmal kritisch betrachten, wird eine Fragestellung zu wenig berücksichtigt, die insbesondere die Frauen sehr stark betrifft: Sind Stellensuchende dort sichtbar, wo heute Rekruter/Personalverantwortliche nach Kandidaten suchen?

Social Media-Funktionen wie der XING Talentmanager und virtuelle Merklisten ermöglichen den HR-Verantwortlichen in den Unternehmen heute, ein eigenes Portfolio an Kandidatinnen und Kandidaten anzulegen und zu pflegen. Interessante Profile werden gespeichert, und zum richtigen Zeitpunkt abgerufen.

Immer mehr werden potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Funktionen direkt angesprochen, ohne dass die Stelle ausgeschrieben wird. Unternehmen haben erkannt, dass sie nicht mehr auf externe Fachkräftepools angewiesen sind, sondern selbst aktiv werden können. Eine weitere Möglichkeit sind die Empfehlungen der eigenen Mitarbeitenden, die in Fachgruppen Personen kennenlernen, die sie selber gerne im Team, im Unternehmen sehen würden. Wenn eine vakante durch eine Mitarbeiterempfehlung besetzt werden kann, werden Provisionen vergeben.

Leider haben viele Stellensuchende kein aussagekräftiges Profil im Netz, oder sind erst gar nicht auf den Businessplattformen vertreten, speziell auch im mittleren bis oberen Kader. Sie können von der neuen Gegebenheit der Kontaktaufnahme im Recruiting nicht profitieren. Viele Profile sind so spartanisch ausgefüllt, dass die Suchmaschine keinerlei Anhaltspunkte hat. Die Realität ist: Mit einem schwachen Profil ohne Aussage zu den persönlichen Kompetenzen und besonders zur Lebenserfahrung, die in ein neues Unternehmen eingebracht werden kann, geraten erfahrene Fachpersonen nicht in den Radar der Suchmaschine bei den Rekrutern und Personalverantwortlichen.

Selbst wenn die Suchmaschine mit sehr viel Glück das Profil aufzeigt, ist es bloss ein Profil von vielen, weshalb ein gutes Foto alleine nicht ausreichend ist. Viele ergänzenden Komponenten müssen berücksichtigt werden, um die Chancen auf Wahrnehmung zu erhöhen.

Die grösste Chance, sich abzuheben, bietet im XING die Portfolioseite. Wenn ich will, dass mein zukünftiger Job mich findet und nicht umgekehrt, muss ich dafür sorgen, dass mein Rucksack an Berufs-und Lebenserfahrung sichtbar ist. Und das ist gar nicht so einfach. Denn wir sind uns immer noch gewohnt, wie die Bewerbung von gestern ablief: Mit den Zeugnisbeilagen in der Bewerbung liessen wir andere beurteilen, wie gut unsere Arbeit war; im Bewerbungsgespräch gab es dann noch genügend Möglichkeiten, sich selbst in Szene zu setzen.

Wenn nun aber der Job mich finden soll, wie es heute vermehrt der Fall ist, muss ich anders präsent sein und mich so vorstellen, dass die Rekruter auf mein Profil aufmerksam werden. Sie müssen beim Lesen erkennen, dass ich für ihr Unternehmen interessant und die richtige Person bin.

Besonders herausfordernd ist der Prozess des Selbstmarketings bei Personen, deren Karriere durch Fachwissen und Expertenstatus ohne grossen Bewerbungsprozess stattgefunden hat. Bisher wurden sie «angefragt», nun müssen sie «sich verkaufen» – das ist eine grosse Umstellung. Wer aber erkennt, welche Türen sich dadurch öffnen, welche Neuausrichtung gerade auch durch diese Neupositionierung möglich ist, bekommt neue Energie durch den Bewerbungsprozess.

Was ebenfalls unterschätzt wird, sind die Chancen von älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wenn sie ihr Wissen nicht nur im Arrangement einer 100%-Anstellung vermitteln. Viele KMU schätzen die fachlichen Erfahrungen der 50+ Kandidaten, können und möchten aber nicht eine 100%-Stelle besetzen. Natürlich ist es eine Umstellung, vom sicheren Job zu Aufträgen auf Mandatsbasis zu wechseln – aber auf jeden Fall eine Chance, die aktuell zu wenig beachtet wird.

Und natürlich gilt hier das Gleiche wie vorhin schon: Ohne Präsenz auf dem Markt habe ich keine Chance für Mandatsaufträge.

Auf den Punkt gebracht: Sie suchen eine neue Herausforderung? Ob Anstellung oder Selbstständigkeit – ohne Selbstmarketing, ohne sichtbare Präsenz gehen wertvolle Chancen verloren. Es liegt an Ihnen: Sie können Einfluss nehmen, ob der nächste Job resp. Auftrag Sie findet.

Quelle: www.xing.com

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