Mitarbeitergespräche sind wichtig und sinnvoll

Die meisten Menschen empfinden Mitarbeitergespräche als lästig. Dabei können sowohl Arbeitnehmer als auch die Chefs profitieren. Viel wichtiger als ein jährliches Gespräch ist der alltägliche Umgang.

Hand aufs Herz: Freuen Sie sich auf das jährliche Mitarbeitergespräch? Die meisten von Ihnen werden vermutlich den Kopf schütteln oder sich mit Unbehagen an das letzte Gespräch mit ihrem Chef erinnern. Dabei sind Mitarbeitergespräche grundsätzlich wichtig und sinnvoll – wenn sie richtig eingesetzt werden.

Rund 50 Mal im Laufe des Erwerbslebens stehen wir vor diesem Dialog, den die meisten wohl eher vermeiden möchten. Dabei sind Mitarbeitergespräche auf Basis einer respektvollen, lebendigen Beziehung unabdingbar für die eigene Arbeitszufriedenheit – und damit auch für den Erfolg des Unternehmens. Offenheit von Vorgesetzten für die Mitarbeitenden, aber auch das Verständnis der Mitarbeiter für den Vorgesetzten spielen neben den individuellen Menschen- und Weltbildern der Gesprächspartner eine wichtige Rolle. Eine offene, motivierende Gesprächskultur äußert sich in gegenseitigem Vertrauen und Zutrauen – und in Mitarbeitergesprächen, die gar nicht als solche benannt sind, sondern einfach immer mal wieder stattfinden. Nicht zwangsverordnet, sondern nach Bedürfnis.

Mitarbeiter und Chefs optimieren sich kaputt

Es ist allerdings schade, wenn die jährlichen Mitarbeitergespräche von beiden Seiten als lästige Pflicht verstanden werden und dazu verkommen, Erwartungen statt Anerkennung zu formulieren. Erwartungen bringen Beziehungen häufig zum Scheitern, egal ob im Berufs- oder Privatleben.

Im Gespräch geht es dann häufig nur darum, sich neue Ziele zu setzen und die eigene Arbeitsleistung zu optimieren. Eine schöne Formulierung dafür, dass die eigene Leistung im vergangenen Jahr mal wieder nicht ausreichend war und man doch bitte einen Zahn zulegen möge. Heute, in einem Zeitalter der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, wird suggeriert, dass man die höchsten Ziele erreichen kann, egal wo man gestartet ist. Nach dem Motto: Alles ist machbar, man muss nur wollen und können. Vor allem sich selbst gestalten, als wäre man ein Klumpen Knete.

Wertschätzung: Mangelware Nummer eins

Kein Wunder also, dass viele Erwerbstätige über mangelnde Wertschätzung klagen. Denn auch wenn sich der Chef lobend im Mitarbeitergespräch äußert, zählen die kleinen, aber herzlichen Zeichen von Wertschätzung im Berufsalltag meist viel mehr. Ein einfaches „Wie geht es Ihnen heute?“ und die daran anschließende Zeit, die Antwort nicht nur zu hören, sondern zu verstehen, sollten selbstverständlich sein. Auch Vertrauen oder die Möglichkeit, Arbeit zu gestalten, signalisiert Anerkennung seitens des Chefs.

Wer die Menschen um sich achtsam wahrnimmt, spürt, wenn die Arbeitszufriedenheit in Schieflage geraten ist – und kann ein Gespräch anbieten. Zudem besteht auch eine Holschuld von Seiten der Mitarbeitenden. Das Gespräch dient dann der Klärung der Erwartungen und der gemeinsamen Suche nach Möglichkeiten: ein Coaching, eine Weiterbildung, Jobrotation, ein Sabbatical, eine Beratung, eine Erweiterung des Verantwortungsbereichs oder gar ein Downshifting. Dabei gilt aber: Unternehmen müssen primär die Erwartungen der Kunden erfüllen. Das wird leider oft vergessen.

 

Quelle: Xing-News

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