Branche atmet tief durch

Personalberatungsfirmen erwarten wieder Umsatzzuwächse / Grundmann verweist auf Mangel an Fachkräften

Bremen (emsn). Bei den Personalberatern wird die Stimmung wieder besser. Die Dienstleister, die im Auftrag ihrer Kunden Fach- und Führungskräfte suchen, streben in diesem Jahr deutliche Geschäftszuwächse an. Nach einem kräftigen Umsatzrückgang im Jahr 2009 sieht sich die Branche wieder im Aufwind.

Rund drei Viertel der Personalberatungsfirmen geben in der Befragung zur Marktstudie an, dass sie im laufenden Jahr mit steigenden Umsätzen rechnen. Dies ergab die Marktstudie „Personalberatung in Deutschland 2009/2010", die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) durchführte. „Die verbesserte Stimmung in Wirtschaft und Industrie ist spürbar. Und wo die Unternehmen Wachstumsaussichten sehen, werden auch Führungskräfte und Spezialisten gesucht", so Dr. Wolfgang Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung.

Doch obwohl sich die Sorgenfalten in wirtschaftlicher Hinsicht weiter glätten, herrscht im Basisbereich weiter akuter Bedarf an Fachkräften. „Wo bitteschön sollen wir die noch suchen? Diese Frage ist in immer mehr Unternehmen zu hören. Denn gute Mitarbeiter werden zur Mangelware“, erklärt der Bremer Personalberater Mark Grundmann. Er berät Unternehmen in den verschiedensten Branchen und Größenordnungen und verweist als Beispiel konkret auf den Mangel an Ingenieuren, der der deutschen Wirtschaft schon heute Probleme bereite und sich durch den demographischen Wandel in Zukunft noch verschärfen werde.

Das Problem ist den Unternehmen durchaus bekannt – aber nur ein knappes Drittel verfolgt demografieorientiertes Personalmanagement als strategisches Ziel, wie der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) im September 2009 bekanntgab. Vor allem mittelständische Unternehmen sind es, die in Deutschland neue Arbeitsplätze schaffen. Bei ihrer Suche nach hochqualifiziertem Personal stehen sie verstärkt im Wettbewerb mit großen Konzernen und müssen daher mehr Anstrengungen in das Recruiting investieren.


Unternehmen haben laut Grundmann grundsätzlich drei Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu begegnen: Entweder durch die Ausbildung von Schulabgängern, durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen und außerdem die Suche nach Bewerbern auf dem Arbeitsmarkt. „Mehr als zwei Drittel der Betriebe sehen sich jedoch außer Stande, selbst auf dem Arbeitsmarkt qualifizierte Mitarbeiter finden zu können“, klagt Grundmann.

Im Zuge der veränderten Arbeitsmarktsituation hat sich auch die Tätigkeit von Personalberatern gewandelt. „Bisher waren wir bestens damit ausgelastet, Fach- und Führungskräfte genau dann zu suchen, wenn wichtige Posten neu besetzt werden mussten“, erklärt Grundmann. Doch angesichts des sich verschärfenden Mangels an Top-Kräften ändern sich die Spielregeln der Beraterbranche. Personalberater als auch Headhunter treten nicht mehr nur als „Feuerwehr“ in Erscheinung – sie sind heute im Dauereinsatz und werden in die strategischen Prozesse in den Unternehmen eingebunden.

Um den Mangel an geeigneten Mitarbeitern zu entschärfen, müssen Unternehmen vor allem eine langfristig angelegte, strategische Personalplanung entwickeln, rät Grundmann. Kleinere und mittlere Unternehmen können dabei von den Großen lernen. „Erfolgreich ist, wer alle Kanäle zur Mitarbeitergewinnung nutzt. Zu den strategischen Möglichkeiten zählt neben Ausbildung, Weiterqualifizierung und der Suche auf dem Arbeitsmarkt die Zuhilfenahme professioneller Personalberater“, so der Bremer Experte.

„Die interessantesten Menschen mit professionellem Know-how, fundierten Branchenkenntnissen und Führungsqualitäten interessieren sich nicht für Stellenanzeigen“, führt Grundmann weiter aus. Auch ein höheres Gehalt alleine sei für sie kein Wechselgrund: „Sie müssen als zukünftiger Arbeitgeber Perspektiven und Entwicklungschancen bieten und Kandidaten finden, deren Wünsche sich mit dem Profil und den Interessen ihres Unternehmens decken.“ Eine Aufgabe für Profis, bei der die Erfahrung, Neutralität und ein besonderes Fingerspitzengefühl gefragt sind.

Quelle: Weser-Kurier

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