Betriebe müssen sich sexy machen

Betriebe müssen sich sexy machen

 

Nicht genug, dass der Fachkräftemangel längst bei den Stuhrer Unternehmen angekommen ist. Künftig dürfte sich die Lage weiter verschärfen. Dies jedenfalls befürchten einige der Unternehmer, die am Mittwochabend die Mitgliederversammlung der Stuhrer Mittelstands- und Wirtschaftsunion (Mit) im Hotel Bremer Tor in Brinkum besucht haben. Doch kapitulieren gilt nicht. Wie es trotzdem funktionieren könnte, schilderten zwei Experten in ihren Impulsreferaten.

Tom Grundmann von Grundmann Personalberatung und Bastian Kleinewegen von der con-front Personalentwicklung haben diese oder ähnliche Sorgen von Unternehmern nicht zum ersten Mal gehört. Ihr Job bringt es mit sich, täglich über die Akquise von Mitarbeitern und deren Entfaltung im Betrieb nachzudenken. Etwas ausführlicher haben die beiden dargelegt, was Konstantin von Kuczkowski als Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) forderte: „Die Betriebe müssen sich sexy machen. Sie müssen sich neu aufstellen.“

Dass die Qualität der Mitarbeiter abnehme, wie von einigen Teilnehmern beklagt, will Grundmann so nicht stehen lassen: „Jeder hier ist dafür verantwortlich, dass seine Leute besser werden.“ Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, der Fachkräftemarkt wie leergefegt. In dieser Situation die passenden Mitarbeiter zu finden, sei eine der größten Herausforderungen des Mittelstands. Auf eine unbesetzte Stelle drei Bewerber? „Das war einmal“, sagt Grundmann. Aus dem Arbeitgeber- sei ein Arbeitnehmermarkt geworden. Der Fachkräftemangel werde zum Bremsklotz, geplante Aktivitäten könnten nicht wie gewünscht ausgeführt werden. Bei der Lösung des Problems dürfe der Mittelstand nicht nur auf die Politik vertrauen.

Vielmehr müssten die Unternehmen langfristig denken und sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Grundmann sprach von der „Kommunikation der Werte und der Unternehmensbenefits“. Er empfahl, im Internetauftritt eine eigene Karriereseite einzurichten und Bewerber aus anderen Regionen bei der Wohnungssuche oder der Kinderbetreuung zu unterstützen. „Setzen Sie Ihre Mitarbeiter als Ausbildungsbotschafter ein! Gehen Sie an die Schulen und bieten Sie Praktika an!“

Außerdem könnten die Betriebe ihre mittelständischen Vorteile ausspielen, das heißt die familiäre Atmosphäre, flache Hierarchie und den kurzen Entscheidungsweg offensiver vermarkten. Einen weiteren Vorteil des inhabergeführten Unternehmens sieht Grundmann in dessen Flexibilität: „Wenn ein Bewerber nur abends oder am Samstag kann, treffen Sie sich abends oder am Samstag mit ihm. Kommt der Bewerber von auswärts, treffen Sie sich mit ihm auf der Hälfte des Weges. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Personalentwickler Kleinewegen legt den Schwerpunkt auf die vorhandenen Mitarbeiter. „Wie behält man die?“, fragt er und zieht einen Vergleich zum Fußball: „Wir brauchen ein komplettes Team, um ein Spiel zu gewinnen.“ Mehr Geld, ein Dienstwagen, ein größeres Büro – das alles sei nur kurzfristig wirksam. Auf lange Sicht bedürfe es tragfähiger und nachhaltiger Konzepte.

Für Kleinewegen muss der Unternehmer das Grundbedürfnis eines jeden Arbeitnehmers nach Zugehörigkeit befriedigen. Er müsse dem Mitarbeiter signalisieren, dass er ihn mit diesem Bedürfnis wahrnimmt. Nur so funktioniere ein respektvoller Umgang miteinander. Ebenso wichtig sei eine vertrauensvolle Atmosphäre. Dafür benötige das Personal zum einen Sicherheit, ohne die es sein Potenzial nicht entfalten könne. Zum anderen müsse der Unternehmer Kontrolle abgeben, indem er Verantwortungsbereiche klar zuteile.

Darüber hinaus genüge es nicht, eine Firmenphilosophie zu formulieren. Die Führungsebene müsse sie vorleben, „auch wenn das ein anstrengender Weg ist“. Der Unternehmer müsse sich als Dienstleister für seine Mitarbeiter begreifen und ihnen den Rücken freihalten. Dafür seien Kommunikationsstärke, emotionale Intelligenz und Demut notwendig. „Bin ich bereit, den Unternehmenserfolg über mein Ego zu stellen?“ – dies zeichne der Chef als Dienstleister aus.

© Kreiszeitung Andreas Hapke

 

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