Auch der Arbeitgeber muss mittlerweile für sich werben

 

Die Bedingungen des Arbeitsmarktes haben sich verändert. Trotz der Zahl an Arbeitslosen haben Unternehmen immer häufiger Schwierigkeiten, vakante Stellen adäquat zu besetzen. Mark Grundmann, seit zwölf Jahren selbstständiger Personalberater, hält eine kompetente Schnittstelle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für zunehmend wichtiger.

dk: Herr Grundmann, Sie führen ein Unternehmen zur Personalberatung. Ist dies mit einer Zeitarbeits-Firma gleichzusetzen?
Mark Grundmann: Nein. Mit Zeitarbeit haben wir nichts zu tun. Unsere Dienstleistung besteht nicht im Verleihen von Arbeitnehmern, sondern in der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften. Erklärtes Ziel ist hierbei immer eine unbefristete Festanstellung.

Angenommen, ein Unternehmen sucht eine Führungskraft. Wie helfen Sie dabei?
In einem ersten Gespräch versuchen wir zunächst die Vorstellungen des Arbeitgebers zu erfassen. Was für ein Bewerber wird genau gesucht? Welche Aufgaben erwarten ihn? In dieser Phase stellen wir häufig fest, dass ein detailliertes Stellenprofil fehlt. Dieses gilt es dann, gemeinsam mit dem Arbeitgeber zu entwickeln.

Quasi ein Wunschkatalog des Arbeitgebers?
Keineswegs. Es geht nicht nur um die Anforderungen des Arbeitgebers. Ins Profil fließen auch relevante Kriterien für den Arbeitnehmer ein, beispielsweise zukünftige Perspektiven oder Aufstiegschancen. Darüber hinaus gilt es, starre Vorstellungen zu durchbrechen. Wer immer den flexiblen Arbeitnehmer Mitte 30 sucht, engt sich selbst ein.

Wie geht es weiter?
Auf Basis des Profils suchen wir auf dem Markt nach geeigneten Kandidaten. Dabei nutzen wir verschiedenste Kanäle: Print, Internet, eigene Netzwerke oder auch den Weg der Direktansprache. Dann folgen persönliche Gespräche.

Zusammen mit dem Auftraggeber?
Nein, zunächst verschaffen wir uns allein einen Eindruck. Hat der Kandidat die fachliche Kompetenz? Wie gibt er sich? Passt der Typ Mensch ins Unternehmen? Wie sieht der Werdegang aus? Zum Beispiel ist es ein Unterschied, ob ein Kandidat von einem Konzern in ein mittelständisches Unternehmen wechselt, das kann erfahrungsgemäß schwierig werden, oder ob er den umgekehrten Weg geht.

Wann kommt der Arbeitgeber ins Spiel?
Wenn wir eine Vorauswahl von zwei bis vier Kandidaten für die jeweilige Position getroffen haben. Diese werden dem Unternehmen in Form von Gutachten vorgestellt. Erst dann folgen persönliche Erst- und daran anschließend konkrete Abschlussgespräche. In allen Phasen fungieren wir dabei als Berater und Moderator.

Hat sich der Bereich Personalsuche verändert?
Ja, eindeutig. Früher konnten Unternehmen unter vielen Bewerbern aussuchen. Heute ist es eher umgekehrt. In Deutschland herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Das ist bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen.

Was hat das für Auswirkungen?
Nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber muss mittlerweile für sich werben. Zum Beispiel Standortmarketing betreiben. Gute Fachkräfte wechseln nicht freiwillig von Hamburg nach Fulda. Dafür muss das Unternehmen schon attraktiv genug sein.

Wie viele Personen vermitteln Sie pro Jahr?
Etwa 60 bis 70 Personen.

Vermitteln Sie in allen Branchen?
Schwerpunktmäßig rekrutieren wir Kräfte im kaufmännischen Management, im Maschinenbau und für die IT-Branche – regional wie überregional. Im gewerblichen Bereich sind wir dagegen nicht aktiv.

Kommen auch Arbeitnehmer auf Sie zu, die sich beruflich verändern wollen?
Ja, uns erreichen auch Initiativbewerbungen. Passt das Profil, fließen die Kontaktdaten in unsere Kartei ein. Auf unserer Internetseite bieten wir zudem eine Art Karrierebörse, mit Profilen sämtlicher vakanter Stellen.

von Jacqueline Schultz
Delmenhorster Kreisblatt

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